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Damian Marhulets – Solo für Turntables, Eurorack-Modularsystem und Machine-Learning-Algorithmen am 13.09.2026, 18:00 Uhr


Eine Schallplatte liegt auf dem Plattenteller. Die Nadel läuft in der Rille. Und doch bleibt der Klang der Platte während der gesamten Performance unhörbar. Was die Nadel freisetzt, sind reine Kontrollsignale, die im Computer aufgezeichnet und mit einer Sammlung von Audio- und MIDI-Korpora verglichen werden. Was zurückkommt, ist keine Widerspiegelung des ursprünglichen Signals, sondern eine innere Reaktion des Systems: eine asynchrone Antwort auf die Gesten, die am Plattenspieler ausgeführt werden.

Anstelle eines DJ-Mischpults steht am Ausgang dieses Prozesses ein Eurorack-Modularsystem – eine Schnittstelle, die zwischen Musik und Daten vermittelt. Das Ergebnis ist ein geschlossener, aber nie vorhersehbarer Kreislauf: eine Blackbox im Sinne der frühen Kybernetik. Ein autopoietisches und unberechenbares System, gekrönt von einem Schuss jener Paranoia, die man aus der Cyberpunk-Literatur kennt.

Der generierte Klang ist somit nicht von seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht, sondern von einer unzugänglichen Gegenwart. Die eigentliche Klangquelle bleibt unzugänglich, ist jedoch real und kausal wirksam. Was an ihrer Stelle hervortritt, ist ein Übersetzungsprozess mit instabiler Referenz – ein Klang mit phantomhafter Ursache.

Konzeptionell speist sich die Performance aus dem kybernetischen Denken, insbesondere aus Humberto Maturanas Konzept der Autopoiesis – einem Modell für ein System, das sich aus seinen eigenen Zuständen heraus fortlaufend neu erzeugt. Die dabei entstehende Asynchronität zwischen Input und Output wird in dieser Performance zur Metapher menschlicher Wahrnehmung selbst.

Vita

Damian Marhulets, geboren in Minsk (Belarus), lebt als Komponist und Medienkünstler in Hannover. Er studierte Komposition bei Prof. Johannes Schöllhorn, Elektronische Musik bei Joachim Heintz sowie Oboe bei Prof. Klaus Becker an den Hochschulen für Musik in Hannover und Köln. Sein künstlerisches Schaffen reicht von experimentellen Live-Elektronik-Projekten und poporientierten Alben bis hin zu künstlerischen Auseinandersetzungen mit neuen Technologien und Medien. Seine Kompositionen der vergangenen Jahre beschäftigen sich unter anderem mit experimentellem Turntablism, selbstgebauten Tape-Loops, interaktiven audiovisuellen VR-Umgebungen sowie grafischen Partituren, die in Komplizenschaft mit KI-Algorithmen entstehen.


Sonntag, 13.09.2026, 18:00 Uhr, Tonhalle Hannover, Fischerstraße 1A, 30167 Hannover





gefördert von: Kulturbüro Hannover, Initiative Musik, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, APPLAUS


Abendkasse 20,00€, Vorverkauf: 15,00€, 10,00€ ermäßigt, 5,00€ Schül./Stud.

 
 
 

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